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Zentrum für Hämatologie und Onkologie

Gesunde Ernährung für mehr Vitalität und ein gutes Körpergefühl

Was kann man bei Ernährungsstörungen / Appetitlosigkeit tun?

Appetitlosigkeit ist eine häufige Klage von Tumorpatienten. Um hier Linderung zu verschaffen, sollte man sich daran erinnern, wie stark der Appetit durch psychische Faktoren beeinflußt wird. Alle Sinne – sehen, riechen, schmecken, fühlen – können den Appetit steigern. Denken Sie an Ihre Lieblingsspeise, die duftend und appetitlich angerichtet serviert wird. Immer wieder wird berichtet, wie hilfreich es ist, das Essen nicht selber herrichten zu müssen, sondern von Angehörigen zubereitet zu bekommen! Es gibt viele andere Möglichkeiten, den Appetit zu steigern, z.B. mit einem kleinen Glas Portwein vor dem Essen.

Andererseits können Stress, Sorgen und Schmerzen den Appetit „verderben“. Auch eine effektive Schmerzbehandlung kann dazu beitragen, dass Tumorpatienten plötzlich wieder besser essen und an Gewicht zunehmen. Hier finden Sie unsere Tipps zur Selbsthilfe:

Bei Appetitstörung:

  • ein Stückchen Traubenzucker vor der Mahlzeit
  • ein kleines Glas Portwein vor dem Mittag- oder Abendessen

Bei rascher Sättigung (Völlegefühl)

  • kleine Mahlzeiten (ca. alle 3 Std.) über den Tag verteilt
  • vor dem Essen nicht trinken (Ausnahme, ein kl. Glas Portwein)
  • nur wenig Flüssigkeit während der Mahlzeiten zu sich nehmen
  • die Flüssigkeiten (mindestens 1,5 bis 2 Liter pro Tag) zwischen den Mahlzeiten trinken

Bei Kau- und Schluckstörungen

  • beim Brot die Kruste abschneiden
  • harte Nahrungsmittel wie Gemüse pürieren
  • zubereitete Speisen abkühlen lassen
  • immer wieder zwischendurch etwas trinken und den Mund spülen, evtl. mit Strohhalm trinken
  • säurehaltige Nahrungsmittel vermeiden, wie z.B. Essig, Obstsäfte, Zitrusfrüchte
  • hochkalorische Trinknahrungen bevorzugen oder ergänzen

bei Erbrechen

  • trockene Nahrungsmittel, wie Zwieback, Knäckebrot, altbackene Semmeln knabbern
  • auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten in Form von Tee, gesalzener Fleisch- oder Gemüsebrühe, fettfreier Bouillon, Mineralwasser ohne Kohlensäure, Cola
  • kalte Getränke sind oftmals besser verträglich als warme!

Bei Durchfall

  • reichlich Flüssigkeit trinken, z.B. schwarzen Tee, gesalzene Brühe mit etwas Hafer- oder Hefeflocken angedickt, Mineralwasser ohne Kohlensäure
  • akuter Durchfall: Nahrungsmittel verzehren wie eine reife Banane, Reis, Apfel (am besten frisch zerraffelt)
  • chronischer Durchfall: ein Minimum an Fett verwenden, leicht verdauliche Fette bevorzugen, MCT-Fette, Margarine, kaltgeschlagenes Öl

Bei Verstopfung

  • ein Glas Wasser auf nüchternen Magen gleich morgens nach dem Aufstehen
  • frisches Gemüse und reichlich Salat essen
  • Vollkornbrot und Getreideprodukte (Müsli) essen
  • geeignete Getränke, wie Pflaumensaft, Traubensaft, Orangensaft, frischen Most trinken

Wie lässt sich die Energiezufuhr steigern?

Die Energiezufuhr lässt sich besonders wirksam durch das energiereiche Fett steigern, aber auch die anderen Energieträger eignen sich zur „Anreicherung“ von Lebensmitteln. Fett besitzt eine höhere Energiedichte (etwa 9 kcal/g) als Eiweiß und Kohlenhydrate (etwa je 4 kcal/g).

Für einen guten Gesundheitszustand ist eine Verteilung der Energiezufuhr aus Eiweiß, Fett und Kohlenhydraten im Verhältnis von etwa 15-35-50 zu empfehlen.

Bei einer solchen Zusammensetzung der Nahrung ist auch die ausreichende Zufuhr dringend benötigter Vitamine und Mineralstoffe gesichert. Gelegentlich kann es sinnvoll sein, vorübergehend durch eine hochkalorische Fertignahrung die Tageskalorienmenge zu ergänzen (sogen. „Astronautenkost“).

Wenn in der Speiseröhre oder im Magen eine so starke Verengung ist, dass hier keine Nahrung mehr durchgeht, kann durch das rechtzeitige Legen einer Sonde, die direkt durch die Bauchhaut in den Magen gelegt wird (PEG), die Nahrung zugeführt werden.
Nur in wenigen Fällen ist eine Ernährung über eine zentrale Vene mit Hilfe eines Portsystemes sinnvoll und notwendig.

Vielen Patienten ist eine optimierte Ernährung im Rahmen einer Tumorerkrankung ein wichtiges Anliegen. Eine Ernährungsberatung, die eine Bestandsaufnahme des Ernährungsstatus und der Ernährungsgewohnheiten macht, ist oft sehr hilfreich, sowohl während der Therapie, als auch nach Abschluss einer Behandlung, um durch eine korrekte Ernährung die körperlichen Abwehrkräfte zu stabilisieren.

Somit kann in jeder Phase einer Krebserkrankung der Rat und die Begleitung eines Ernährungsberaters von Nutzen sein.